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10. Schiffsstammabteilung: Unterschied zwischen den Versionen

Aus U-Boot-Archiv Wiki

 
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| colspan="3" | Die 10. Schiffsstammabteilung (10. S.S.A.) war ein grundlegender Ausbildungsverband der Kriegsmarine. Sie als „militärische Kinderstube“ für einen Teil des U-Boot-Personals, das seine Grundausbildung nicht in Stralsund (II. S.S.A.), sondern an der Nordsee oder im besetzten Ausland erhielt.
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| colspan="3" | Die 10. Schiffsstammabteilung diente als primäre Ausbildungseinheit für den personellen Nachwuchs der Kriegsmarine. Hier erhielten die Rekruten ihre infanteristische Grundausbildung sowie eine erste Einführung in den Borddienst und die Marinetradition. Als Teil der Landorganisation bildete sie das erste Glied in der langen Kette der Qualifizierungsmaßnahmen, die am Ende zur Besetzung der schwimmenden Einheiten und U-Boote führten.
 
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! colspan="3" | Entstehung, Funktion und Ende
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! colspan="3" | Historischer Kontext & Organisation
 
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| colspan="3" | Entstehung: Die Abteilung wurde am 01.01.1938 in Norden (Ostfriesland) aufgestellt. Sie unterstand der 2. Admiralität der Nordsee (bzw. dem B.S.N.).
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| colspan="3" | Aufstellung und Standorte: Die Abteilung wurde im Zuge der massiven personellen Erweiterung der Marine aufgestellt. Ein wesentlicher Standort der Abteilung war Wesermünde (heute Bremerhaven). Sie unterstand truppendienstlich dem 2. Admiral der Nordsee. Die Abteilung gliederte sich in mehrere Kompanien, in denen die jungen Soldaten (oft im Rahmen des Reichsarbeitsdienstes oder als Freiwillige) die ersten Monate ihrer Dienstzeit verbrachten.
 
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| colspan="3" | Ausbildungsprofil: Der Fokus lag auf der "militärischen Formung". Dazu gehörten Exerzierdienst, Geländeaustausch, Schießausbildung sowie die Vermittlung von grundlegendem Seemannschaftswissen (Knoten, Backen und Banken, Signalgrundlagen). Nach Abschluss dieser etwa dreimonatigen Grundausbildung wurden die Soldaten nach ihrer Eignung und dem Bedarf der Marine auf die verschiedenen Fachschulen oder Stammkompanien der Flottillen verteilt.
 
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| colspan="3" | Aufstellung (Wesermünde): Während die ersten Kerneinheiten bereits 1938 in Norden (Ostfriesland) bestanden, wurde die Abteilung im August/September 1939 in Wesermünde (Bremerhaven) als voll einsatzfähiger Verband für den Kriegszustand formiert.
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| colspan="3" | Das Schicksal bei Kriegsende: In der Endphase des Krieges am 08.05.1945 wurden die Reste der Abteilung in den Endkampf um die deutschen Nordseehäfen verwickelt. Viele der jungen Rekruten wurden in hastig formierte Marine-Schützen-Einheiten eingegliedert, um den Vormarsch der britischen Truppen im Raum Weser/Ems aufzuhalten. Nach der Kapitulation gerieten die verbliebenen Teile der Abteilung in den Lagern im Raum Cuxhaven und Schleswig-Holstein in Gefangenschaft.
 
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| colspan="3" | Stationierung 1940: Kurz nach dem Westfeldzug (Juni 1940) erfolgte die Verlegung nach Sinnich/Belgien und in den Raum Boulogne, um Personal für die geplante Invasion Englands (Seelöwe) bereitzustellen.
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! colspan="3" | Relevanz für die U-Boot-Waffe
 
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| colspan="3" | Rückkehr nach Wesermünde: Ab 1941 war die Abteilung wieder fest in Wesermünde ansässig, bevor sie gegen Kriegsende (1944/45) weiter ins Binnenland (Zeven/Bremervörde) auswich.
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| colspan="3" | Vorschaltinstanz für U-Boot-Bewerber: Ein Großteil des späteren Mannschaftspersonals der U-Boot-Waffe durchlief zunächst eine Schiffsstammabteilung wie die 10. Abteilung. Hier erfolgte die erste körperliche und disziplinarische Sichtung. Nur wer sich in der Grundausbildung durch besondere Härte und Gehorsam auszeichnete, wurde für die anschließende Versetzung zu einer Unterseeboot-Lehrdivision (U.L.D.) vorgeschlagen.
 
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| colspan="3" | Infanteristische Basis: Die in der 10. Schiffsstammabteilung erlernten infanteristischen Fähigkeiten waren für U-Boot-Männer später von Bedeutung, wenn sie in den besetzten Stützpunkten (z.B. in Frankreich oder Norwegen) Wachdienste übernehmen oder in der Endphase des Krieges zur Verteidigung der Stützpunkte an Land eingesetzt werden mussten.
 
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| colspan="3" | Funktion: Durchführung der infanteristischen Grundausbildung für Rekruten.
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| colspan="3" | Personelle Zuarbeit: Die Personalreferenten der U-Boot-Waffe hielten engen Kontakt zu den Schiffsstammabteilungen, um bereits frühzeitig Talente für technische Sonderlaufbahnen (z.B. Funk- oder Maschinenlaufbahn) zu identifizieren und diese gezielt den U-Ausbildungslehrgängen (U.A.L.) zuzuführen.
 
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| colspan="3" | Standortwechsel: Im Zuge der Kriegsereignisse wurde die Abteilung im Juni 1940 nach Sinnich (nahe Boulogne, Belgien/Frankreich) verlegt, um Personal für das [[Unternehmen Seelöwe]] und die Sicherung der Kanalküste vorzubereiten.
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! colspan="3" | Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) [https://www.bundesarchiv.de/im-archiv-recherchieren/archivgut-recherchieren/recherchesysteme/invenio/ | Invenio Online-Recherche]
 
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| colspan="3" | Rückverlegung: Später (1941) erfolgte die Verlegung nach Wesermünde (Bremerhaven) und schließlich nach Zeven.
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| B.Arch. RM 20 / 904 || colspan="3" | Personalbestimmungen für die Kriegsmarine (Dokumentiert die Richtlinien zur Grundausbildung und Versetzung aus den Schiffsstammabteilungen).
 
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| B.Arch. RM 123 || colspan="3" | Akten der Marineschulen und Lehrdivisionen (Belegt den Zustrom von Personal aus den Stammabteilungen zu den Fachschulen).
 
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| colspan="3" | Ende: Die 10. S.S.A. wurde im April/Mai 1945 aufgelöst. Wie viele Schiffsstammabteilungen bildete sie in den letzten Wochen Marine-Schützen-Bataillone, die im Erdkampf gegen die vorrückenden Briten in Norddeutschland eingesetzt wurden.
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| B.Arch. RM 31 || colspan="3" | Akten der Marinestation der Nordsee (Enthält Berichte über die Inspektionen und den Dienstbetrieb der 10. Schiffsstammabteilung).
 
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! colspan="3" | Relevanz für die U-Boot-Waffe
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! colspan="3" | Literaturverweise
 
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| colspan="3" | Rekruten, die nach ihrer Grundausbildung bei der 10. S.S.A. zur U-Boot-Waffe strebten, wurden von hier aus an die U-Stammkompanien oder direkt zur technischen Fachausbildung (z. B. nach Neustadt) versetzt. Im Wiki taucht sie oft als erste Station im Wehrpass von Männern auf, die später auf Booten der in Wilhelmshaven oder den Niederlanden stationierten Flottillen dienten.
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| Lohmann, Walter / Hildebrand, Hans H. || colspan="3" | Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945: Gliederung, Einsatz, Stellenbesetzung. (Band II, Kapitel über die Landorganisation und Schiffsstammabteilungen).
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! colspan="3" | Wiki-Tipp:
 
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| colspan="3" | Achtet auf den Zeitraum 1940: Wenn ein U-Boot-Fahrer zu dieser Zeit bei der 10. S.S.A. war, befand er sich im Raum Boulogne. Dies ist oft die Erklärung, warum Seeleute in ihren Biografien "Landdienst in Frankreich" stehen haben, bevor sie auf ein Boot kamen.
 
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| Bundesarchiv Bestand RM 121 || colspan="3" | Marine-Ersatz- und Ausbildungsabteilungen. Der Hauptbestand für die 10. S.S.A. Er dokumentiert die Aufstellung in Norden und die verschiedenen Standortverlegungen.
 
 
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| Bundesarchiv Abteilung PA (Berlin-Tegel) || colspan="3" | Hier liegen die Stammrollen der 10. S.S.A., mit denen ihr das Eintrittsdatum und die Vereidigung von Besatzungsmitgliedern abgleichen könnt.
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| Hildebrand, Hans H. || colspan="3" | Die organisatorische Entwicklung der Marine nebst Stellenbesetzung 1848 bis 1945. (Übersicht der Standorte und Kommandeure der Stammabteilungen).
 
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| Lexikon der Wehrmacht || colspan="3" | [https://www.lexikon-der-wehrmacht.de/Gliederungen/SchiffsStammAbt/SSA10-R.htm| → 10. Schiffsstammabteilung]
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| Mulligan, Timothy P. || colspan="3" | Die Männer der deutschen U-Boot-Waffe 1939–1945. (Analyse des Rekrutierungsweges vom Eintritt in die Marine bis zum U-Boot-Einsatz).
 
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Aktuelle Version vom 11. Februar 2026, 12:31 Uhr

Datenblatt 10. Schiffsstammabteilung
Die 10. Schiffsstammabteilung diente als primäre Ausbildungseinheit für den personellen Nachwuchs der Kriegsmarine. Hier erhielten die Rekruten ihre infanteristische Grundausbildung sowie eine erste Einführung in den Borddienst und die Marinetradition. Als Teil der Landorganisation bildete sie das erste Glied in der langen Kette der Qualifizierungsmaßnahmen, die am Ende zur Besetzung der schwimmenden Einheiten und U-Boote führten.
Historischer Kontext & Organisation
Aufstellung und Standorte: Die Abteilung wurde im Zuge der massiven personellen Erweiterung der Marine aufgestellt. Ein wesentlicher Standort der Abteilung war Wesermünde (heute Bremerhaven). Sie unterstand truppendienstlich dem 2. Admiral der Nordsee. Die Abteilung gliederte sich in mehrere Kompanien, in denen die jungen Soldaten (oft im Rahmen des Reichsarbeitsdienstes oder als Freiwillige) die ersten Monate ihrer Dienstzeit verbrachten.
Ausbildungsprofil: Der Fokus lag auf der "militärischen Formung". Dazu gehörten Exerzierdienst, Geländeaustausch, Schießausbildung sowie die Vermittlung von grundlegendem Seemannschaftswissen (Knoten, Backen und Banken, Signalgrundlagen). Nach Abschluss dieser etwa dreimonatigen Grundausbildung wurden die Soldaten nach ihrer Eignung und dem Bedarf der Marine auf die verschiedenen Fachschulen oder Stammkompanien der Flottillen verteilt.
Das Schicksal bei Kriegsende: In der Endphase des Krieges am 08.05.1945 wurden die Reste der Abteilung in den Endkampf um die deutschen Nordseehäfen verwickelt. Viele der jungen Rekruten wurden in hastig formierte Marine-Schützen-Einheiten eingegliedert, um den Vormarsch der britischen Truppen im Raum Weser/Ems aufzuhalten. Nach der Kapitulation gerieten die verbliebenen Teile der Abteilung in den Lagern im Raum Cuxhaven und Schleswig-Holstein in Gefangenschaft.
Relevanz für die U-Boot-Waffe
Vorschaltinstanz für U-Boot-Bewerber: Ein Großteil des späteren Mannschaftspersonals der U-Boot-Waffe durchlief zunächst eine Schiffsstammabteilung wie die 10. Abteilung. Hier erfolgte die erste körperliche und disziplinarische Sichtung. Nur wer sich in der Grundausbildung durch besondere Härte und Gehorsam auszeichnete, wurde für die anschließende Versetzung zu einer Unterseeboot-Lehrdivision (U.L.D.) vorgeschlagen.
Infanteristische Basis: Die in der 10. Schiffsstammabteilung erlernten infanteristischen Fähigkeiten waren für U-Boot-Männer später von Bedeutung, wenn sie in den besetzten Stützpunkten (z.B. in Frankreich oder Norwegen) Wachdienste übernehmen oder in der Endphase des Krieges zur Verteidigung der Stützpunkte an Land eingesetzt werden mussten.
Personelle Zuarbeit: Die Personalreferenten der U-Boot-Waffe hielten engen Kontakt zu den Schiffsstammabteilungen, um bereits frühzeitig Talente für technische Sonderlaufbahnen (z.B. Funk- oder Maschinenlaufbahn) zu identifizieren und diese gezielt den U-Ausbildungslehrgängen (U.A.L.) zuzuführen.
Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) | Invenio Online-Recherche
B.Arch. RM 20 / 904 Personalbestimmungen für die Kriegsmarine (Dokumentiert die Richtlinien zur Grundausbildung und Versetzung aus den Schiffsstammabteilungen).
B.Arch. RM 123 Akten der Marineschulen und Lehrdivisionen (Belegt den Zustrom von Personal aus den Stammabteilungen zu den Fachschulen).
B.Arch. RM 31 Akten der Marinestation der Nordsee (Enthält Berichte über die Inspektionen und den Dienstbetrieb der 10. Schiffsstammabteilung).
Literaturverweise
Lohmann, Walter / Hildebrand, Hans H. Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945: Gliederung, Einsatz, Stellenbesetzung. (Band II, Kapitel über die Landorganisation und Schiffsstammabteilungen).
Hildebrand, Hans H. Die organisatorische Entwicklung der Marine nebst Stellenbesetzung 1848 bis 1945. (Übersicht der Standorte und Kommandeure der Stammabteilungen).
Mulligan, Timothy P. Die Männer der deutschen U-Boot-Waffe 1939–1945. (Analyse des Rekrutierungsweges vom Eintritt in die Marine bis zum U-Boot-Einsatz).
Alle Angaben ohne Gewähr !!!!
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