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Oberfeldwebellehrgang: Unterschied zwischen den Versionen

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| colspan="3" | Der Oberfeldwebellehrgang (in der seemännischen Laufbahn auch Oberbootsmannslehrgang genannt) war die finale fachliche und führungsbezogene Qualifizierung für Unteroffiziere mit Portepee, um den höchsten Rang der regulären Unteroffiziershierarchie zu erreichen.
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| colspan="3" | Ein Oberfeldwebellehrgang war ein obligatorischer Fach- und Führungslehrgang der Kriegsmarine, der erfahrene Unteroffiziere mit Portepee (Feldwebel) auf die Beförderung zum Oberfeldwebel und die damit verbundene Übernahme von höherer Verantwortung im Bord- und Stabsdienst vorbereitete. Der Lehrgang diente der fachlichen Vertiefung innerhalb der jeweiligen Laufbahn (z. B. See-, Maschinen- oder Nachrichtendienst) und der Schulung in erweiterten Führungs- und Verwaltungsaufgaben. Er markierte den Aufstieg in die Ebene der Spitzenunteroffiziere.
 
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| colspan="3" | Der Lehrgang richtete sich an bewährte Feldwebel (bzw. Bootsmänner), die bereits mehrere Jahre Dienstzeit und – im Falle der U-Boot-Waffe – mehrere Feindfahrten auf Booten wie dem Typ VII C absolviert hatten. Die Teilnahme setzte eine überdurchschnittliche Beurteilung durch den Kommandanten und den Flottillenchef voraus.
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| colspan="3" | Inhalt und Zielsetzung: Der Fokus des Lehrgangs lag auf der Befähigung zum eigenständigen Leiten von Fachbereichen. Neben der technischen oder nautischen Weiterbildung umfasste der Lehrgang Unterricht in Militärrecht, Menschenführung, Dienstbetriebslehre und Verwaltungswesen (z. B. Stammrollenführung und Materialverwaltung). Ein Feldwebel sollte nach Abschluss in der Lage sein, eine Abteilung (Division) personell und materiell zu führen und den Offizier im Innendienst (O.i.D.) wirksam zu unterstützen.
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| colspan="3" | Voraussetzungen und Dauer: Zur Teilnahme wurden nur Feldwebel zugelassen, die sich durch besondere fachliche Leistungen und einwandfreie Führung an Bord bewährt hatten. Die Dauer variierte je nach Laufbahn, betrug aber in der Regel mehrere Wochen bis Monate und fand an den spezialisierten Fachschulen der Marine statt (z. B. an den Marineschulen in Kiel-Wik, Wesermünde oder an den Nachrichtenschulen).
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| colspan="3" | Das Schicksal bei Kriegsende: Mit fortschreitender Kriegsdauer wurden diese Lehrgänge oft verkürzt oder direkt an die Frontstützpunkte verlegt, um den enormen Bedarf an erfahrenem Führungspersonal zu decken. Nach der Kapitulation am 08.05.1945 waren die Absolventen dieser Lehrgänge als Oberfeldwebel oft die wichtigsten Verbindungspersonen zwischen der Mannschaftsebene und den alliierten Kontrollorganen, da sie über detaillierte Kenntnisse der Verwaltungs- und Versorgungsabläufe ihrer Einheiten verfügten.
 
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| colspan="3" | Im Zentrum stand die Ausbildung zum selbstständigen Stationsleiter und Hauptabschnittsleiter. Der Lehrgang vermittelte vertiefte Kenntnisse in der Personalführung und der administrativen Abwicklung des Dienstbetriebs gemäß der Marine-Dienstvorschrift Nummer 293. In technischen Laufbahnen lag der Fokus auf der Beherrschung komplexester Systeme, wie sie später auf dem Typ XXI zum Einsatz kamen, während seemännische Teilnehmer ihre Kenntnisse in der taktischen Navigation und Gefechtsführung perfektionierten.
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| colspan="3" | Rückgrat der Bootsorganisation: Auf einem U-Boot besetzte der Oberfeldwebel (oft als Obersteuermann, Obermaschinist oder Funkoberfeldwebel) eine Schlüsselposition. Der Lehrgang bereitete ihn darauf vor, die technische Einsatzbereitschaft ganzer Sektionen des Bootes unter extremen Belastungen sicherzustellen und als engster Berater des Kommandanten oder des Leitenden Ingenieurs (L.I.) zu fungieren.
 
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| colspan="3" | Ausbilderfunktion: Absolventen des Oberfeldwebellehrgangs wurden häufig als erfahrene Ausbilder zu den Unterseeboot-Lehrdivisionen kommandiert. Dort gaben sie ihre praktischen Erfahrungen aus der Frontzeit an die Teilnehmer der U-Ausbildungslehrgänge (U.A.L.) weiter und stellten so die Qualität des Nachwuchses sicher.
 
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! colspan="3" | Rolle als Mentor und Bindeglied:
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| colspan="3" | Disziplinarische Verantwortung: In der engen Gemeinschaft eines U-Bootes war der Oberfeldwebel für die Aufrechterhaltung der Disziplin und der Moral verantwortlich. Der Lehrgang vermittelte die notwendigen pädagogischen und rechtlichen Grundlagen, um Konflikte innerhalb der Besatzung frühzeitig zu erkennen und zu lösen.
 
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| colspan="3" | Ein wesentlicher Teil des Lehrgangs befasste sich mit der Rolle des Oberfeldwebels als wichtigstes Bindeglied zwischen der Mannschaft (z. B. dem Obermatrosen) und dem Offizierskorps. Er wurde darauf vorbereitet, als „Mutter der Kompanie“ (bzw. des Bootes) die Disziplin und das soziale Gefüge innerhalb der Besatzung zu wahren.
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! colspan="3" | Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) [https://www.bundesarchiv.de/im-archiv-recherchieren/archivgut-recherchieren/recherchesysteme/invenio/ | Invenio Online-Recherche]
 
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! colspan="3" | Bedeutung für die U-Boot-Waffe:
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| B.Arch. RM 20 / 912 || colspan="3" | Richtlinien für die Ausbildung der Unteroffiziere (Dokumentiert die Lehrgangsinhalte und Anforderungen für die Beförderung zum Oberfeldwebel).
 
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| B.Arch. RM 123 || colspan="3" | Akten der Marineschulen (Enthält Prüfungslisten und Lehrgangspläne der verschiedenen Fachlaufbahnen).
 
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| colspan="3" | Absolventen dieses Lehrgangs besetzten auf U-Booten Schlüsselpositionen wie den Obersteuer-Mann, den Oberfunk-Meister oder den Obermaschinisten. Ihre Erfahrung war insbesondere bei der Ausbildung von Wachoffiziersschülern und Steuermannsschülern an Bord unverzichtbar, da sie das praktische Wissen der Frontjahre verkörperten.
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| B.Arch. RM 20 / 893 || colspan="3" | Unterlagen des Befehlshabers der Unterseeboote (B.d.U.) zur personellen Struktur (Belegt die Bedeutung von Oberfeldwebeln für die Besetzung von Frontbooten).
 
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! colspan="3" | Literaturverweise
 
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| Bundesarchiv, Signatur RM 91 || colspan="3" | Dienststellen der U-Boot-Waffe - Invenio Online-Recherche. Enthält Laufbahnbestimmungen und Lehrgangsnachweise für Portepee-Unteroffiziere.
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| Lohmann, Walter / Hildebrand, Hans H. || colspan="3" | Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945: Gliederung, Einsatz, Stellenbesetzung. (Band II, Kapitel über das Personal- und Ausbildungswesen).
 
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| Lexikon der Wehrmacht || colspan="3" | Siehe [https://www.lexikon-der-wehrmacht.de/| Lexikon der Wehrmacht] Detaillierte Übersicht über die Dienstgrade und Laufbahnen der Unteroffiziere der Kriegsmarine.
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| Hildebrand, Hans H. || colspan="3" | Die organisatorische Entwicklung der Marine nebst Stellenbesetzung 1848 bis 1945. (Übersicht der Laufbahnverordnungen und Beförderungsrichtlinien).
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| Mulligan, Timothy P. || colspan="3" | Die Männer der deutschen U-Boot-Waffe 1939–1945. (Analyse der sozialen Rolle und der fachlichen Qualifikation der Spitzenunteroffiziere).
 
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Aktuelle Version vom 11. Februar 2026, 11:16 Uhr

Datenblatt Oberfeldwebellehrgang
Ein Oberfeldwebellehrgang war ein obligatorischer Fach- und Führungslehrgang der Kriegsmarine, der erfahrene Unteroffiziere mit Portepee (Feldwebel) auf die Beförderung zum Oberfeldwebel und die damit verbundene Übernahme von höherer Verantwortung im Bord- und Stabsdienst vorbereitete. Der Lehrgang diente der fachlichen Vertiefung innerhalb der jeweiligen Laufbahn (z. B. See-, Maschinen- oder Nachrichtendienst) und der Schulung in erweiterten Führungs- und Verwaltungsaufgaben. Er markierte den Aufstieg in die Ebene der Spitzenunteroffiziere.
Historischer Kontext & Organisation
Inhalt und Zielsetzung: Der Fokus des Lehrgangs lag auf der Befähigung zum eigenständigen Leiten von Fachbereichen. Neben der technischen oder nautischen Weiterbildung umfasste der Lehrgang Unterricht in Militärrecht, Menschenführung, Dienstbetriebslehre und Verwaltungswesen (z. B. Stammrollenführung und Materialverwaltung). Ein Feldwebel sollte nach Abschluss in der Lage sein, eine Abteilung (Division) personell und materiell zu führen und den Offizier im Innendienst (O.i.D.) wirksam zu unterstützen.
Voraussetzungen und Dauer: Zur Teilnahme wurden nur Feldwebel zugelassen, die sich durch besondere fachliche Leistungen und einwandfreie Führung an Bord bewährt hatten. Die Dauer variierte je nach Laufbahn, betrug aber in der Regel mehrere Wochen bis Monate und fand an den spezialisierten Fachschulen der Marine statt (z. B. an den Marineschulen in Kiel-Wik, Wesermünde oder an den Nachrichtenschulen).
Das Schicksal bei Kriegsende: Mit fortschreitender Kriegsdauer wurden diese Lehrgänge oft verkürzt oder direkt an die Frontstützpunkte verlegt, um den enormen Bedarf an erfahrenem Führungspersonal zu decken. Nach der Kapitulation am 08.05.1945 waren die Absolventen dieser Lehrgänge als Oberfeldwebel oft die wichtigsten Verbindungspersonen zwischen der Mannschaftsebene und den alliierten Kontrollorganen, da sie über detaillierte Kenntnisse der Verwaltungs- und Versorgungsabläufe ihrer Einheiten verfügten.
Relevanz für die U-Boot-Waffe
Rückgrat der Bootsorganisation: Auf einem U-Boot besetzte der Oberfeldwebel (oft als Obersteuermann, Obermaschinist oder Funkoberfeldwebel) eine Schlüsselposition. Der Lehrgang bereitete ihn darauf vor, die technische Einsatzbereitschaft ganzer Sektionen des Bootes unter extremen Belastungen sicherzustellen und als engster Berater des Kommandanten oder des Leitenden Ingenieurs (L.I.) zu fungieren.
Ausbilderfunktion: Absolventen des Oberfeldwebellehrgangs wurden häufig als erfahrene Ausbilder zu den Unterseeboot-Lehrdivisionen kommandiert. Dort gaben sie ihre praktischen Erfahrungen aus der Frontzeit an die Teilnehmer der U-Ausbildungslehrgänge (U.A.L.) weiter und stellten so die Qualität des Nachwuchses sicher.
Disziplinarische Verantwortung: In der engen Gemeinschaft eines U-Bootes war der Oberfeldwebel für die Aufrechterhaltung der Disziplin und der Moral verantwortlich. Der Lehrgang vermittelte die notwendigen pädagogischen und rechtlichen Grundlagen, um Konflikte innerhalb der Besatzung frühzeitig zu erkennen und zu lösen.
Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) | Invenio Online-Recherche
B.Arch. RM 20 / 912 Richtlinien für die Ausbildung der Unteroffiziere (Dokumentiert die Lehrgangsinhalte und Anforderungen für die Beförderung zum Oberfeldwebel).
B.Arch. RM 123 Akten der Marineschulen (Enthält Prüfungslisten und Lehrgangspläne der verschiedenen Fachlaufbahnen).
B.Arch. RM 20 / 893 Unterlagen des Befehlshabers der Unterseeboote (B.d.U.) zur personellen Struktur (Belegt die Bedeutung von Oberfeldwebeln für die Besetzung von Frontbooten).
Literaturverweise
Lohmann, Walter / Hildebrand, Hans H. Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945: Gliederung, Einsatz, Stellenbesetzung. (Band II, Kapitel über das Personal- und Ausbildungswesen).
Hildebrand, Hans H. Die organisatorische Entwicklung der Marine nebst Stellenbesetzung 1848 bis 1945. (Übersicht der Laufbahnverordnungen und Beförderungsrichtlinien).
Mulligan, Timothy P. Die Männer der deutschen U-Boot-Waffe 1939–1945. (Analyse der sozialen Rolle und der fachlichen Qualifikation der Spitzenunteroffiziere).
Alle Angaben ohne Gewähr !!!!
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