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Steuermannsschüler: Unterschied zwischen den Versionen

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| colspan="3" | Ein Steuermannsschüler war ein Unteroffiziersanwärter der seemännischen Laufbahn, der sich in der Ausbildung zum Steuermann befand. Er war der wichtigste technische Assistent des Wachoffiziers in allen Fragen der Navigation und Schiffsführung.
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| colspan="3" | Ein Steuermannsschüler war ein Unteroffizieranwärter der Steuermannslaufbahn, der sich in der fachspezifischen Ausbildung zum Navigator und Brückenspezialisten befand. Er stand am Anfang einer Laufbahn, die bei entsprechender Eignung bis zum Obersteuermann (dem „Navigations-Offizier“ auf U-Booten) führen konnte. Der Steuermannsschüler absolvierte eine der anspruchsvollsten fachlichen Ausbildungen innerhalb der Mannschafts- und Unteroffiziergrade. Sein Ziel war die Beherrschung der terrestrischen und astronomischen Navigation sowie die sichere Führung eines Schiffes oder Bootes im Brückendienst.
 
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| colspan="3" | Der Schüler stammte meist aus dem Korps der erfahrenen Obermatrosen oder Gefreiten. Er musste eine hohe Begabung für Mathematik und Technik nachweisen.
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| colspan="3" | Ausbildungsweg und Lehrinhalte: Die Ausbildung zum Steuermannsschüler erfolgte zumeist an einer der Steuermannsschulen der Kriegsmarine (z. B. in Gotenhafen). Voraussetzung war eine überdurchschnittliche Begabung in Mathematik und ein ausgeprägtes technisches Verständnis. Die Lehrinhalte umfassten die Seekartenlehre, Kompasskunde, Gezeitenberechnungen sowie die Handhabung von Sextanten und anderen nautischen Instrumenten. Zudem wurde er intensiv in der Schifffahrtsrecht-Kunde und den Ausweichregeln (Kollisionsverhütungsregeln) unterwiesen.  
 
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| colspan="3" | Dienstgrad und Beförderung: Der Status als Steuermannsschüler war eine Zwischenstufe während der Fachausbildung. Nach erfolgreichem Abschluss der Lehrgänge und der praktischen Bordzeit erfolgte die Beförderung zum Maat (Steuermannsmaat) und später zum Feldwebel (Steuermann). Er war der direkte Assistent des Wachoffiziers auf der Brücke.
 
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| colspan="3" | Das Schicksal bei Kriegsende: In der Endphase des Krieges am 08.05.1945 wurden viele Steuermannsschüler vorzeitig aus den Schulen entlassen, um den massiven Personalbedarf auf den verbliebenen Einheiten oder bei den Evakuierungsoperationen in der Ostsee zu decken. Nach der Kapitulation waren sie aufgrund ihrer nautischen Fachkenntnisse besonders wertvoll für den Deutschen Minenräumdienst, da die exakte Positionsbestimmung in den Minenfeldern eine Grundvoraussetzung für die Räumarbeiten war.
 
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| colspan="3" | Die Ausbildung fand an den Navigationsschulen der Kriegsmarine (z. B. in Gotenhafen oder Libau) statt. Nach der theoretischen Ausbildung folgte die praktische Erprobung im Rahmen einer Navigations-Belehrungsfahrt.
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| colspan="3" | Nachwuchs für die Navigation: Die U-Boot-Waffe hatte einen permanenten Bedarf an qualifizierten Navigatoren. Steuermannsschüler wurden nach ihrer Grundausbildung oft direkt zur spezialisierten U-Boot-Ausbildung an die Unterseeboot-Lehrdivisionen kommandiert, um sie auf die besonderen Bedingungen der Navigation unter Wasser und bei Nachtangriffen vorzubereiten.
 
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| colspan="3" | Verantwortung in der Zentrale: Auf einem U-Boot war der Steuermann (ehemals Steuermannsschüler) für die Führung des Koppelorts und der Seekarte in der Zentrale verantwortlich. Seine Präzision entschied darüber, ob das Boot nach wochenlanger Feindfahrt den Heimathafen oder einen Versorgungstanker punktgenau fand.
 
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| colspan="3" | Erlangung des Dienstgrads Steuermann (entsprach dem Rang eines Maaten oder Obermaaten). In der U-Boot-Waffe war dieser Dienstgrad für die präzise Kurs- und Tiefensteuerung auf U-Booten verantwortlich.
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| colspan="3" | Vorbereitung auf die Wachführung: Ein erfahrener Steuermann übernahm auf U-Booten oft Aufgaben, die über die reine Navigation hinausgingen, wie etwa die Unterstützung des Kommandanten beim Torpedoschießverfahren. Die Basis hierfür wurde bereits während der Zeit als Steuermannsschüler durch das Erlernen von Winkelfunktionen und Zielberechnungen gelegt.
 
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! colspan="3" | Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) [https://www.bundesarchiv.de/im-archiv-recherchieren/archivgut-recherchieren/recherchesysteme/invenio/ | Invenio Online-Recherche]
 
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| colspan="3" | Der Schüler lernte die Beherrschung der Koppelnavigation sowie der astronomischen Navigation (Arbeit mit dem Sextanten). Er musste in der Lage sein, das Boot bei Ausfall elektronischer Hilfen allein nach den Gestirnen sicher in den Stützpunkt zurückzuführen.
 
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| colspan="3" | Intensive Schulung am Kreiselkompass, dem Echolot und der Logge. Er lernte die Fehlerrechnung (Missweisung/Ablenkung) und die Wartung der nautischen Instrumente.
 
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| colspan="3" | Das präzise Führen der Seekarte und des Kriegstagebuchs (nautischer Teil) unter den erschwerten Bedingungen eines getauchten U-Bootes.
 
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| colspan="3" | Der „Schatten“ des Wachoffiziers. An Bord eines Typ XXI unterstützte der Steuermann den Wachoffiziersschüler oder den Offizier bei der Kursberechnung. Er war verantwortlich für die Überwachung der Rudergänger und die Einhaltung der befohlenen Tiefe.
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| B.Arch. RM 20 / 912 || colspan="3" | Richtlinien für die Ausbildung der Unteroffiziere der Steuermannslaufbahn (Enthält detaillierte Lehrgangspläne der Steuermannsschulen).
 
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| B.Arch. RM 123 || colspan="3" | Akten der Marineschulen (Dokumentiert die Prüfungsordnungen und die personelle Erfassung der Steuermannsschüler).
 
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! colspan="3" | Verantwortung:
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| B.Arch. RM 20 / 893 || colspan="3" | Unterlagen des Befehlshabers der Unterseeboote (B.d.U.) zur personellen Ergänzung (Belegt die Zuweisung von Navigations-Fachpersonal zur U-Boot-Waffe).
 
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| colspan="3" | Da Fehler in der Navigation zum Totalverlust des Bootes durch Auflaufen oder Minen führen konnten, genoss der Steuermannsschüler nach seinem Abschluss hohen Respekt innerhalb der Besatzung.
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! colspan="3" | Literaturverweise
 
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| Lohmann, Walter / Hildebrand, Hans H. || colspan="3" | Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945: Gliederung, Einsatz, Stellenbesetzung. (Band II, Kapitel über die Fachlaufbahnen und das Personalwesen).
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| Bundesarchiv, Signatur RM 91 || colspan="3" | Dienststellen der U-Boot-Waffe - Invenio Online-Recherche. Dokumentiert die Lehrgangspläne für Steuermannsanwärter.
 
 
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| Lexikon der Wehrmacht || colspan="3" | Siehe [https://www.lexikon-der-wehrmacht.de/| Lexikon der Wehrmacht] Artikel über die Laufbahnen der Unteroffiziere im seemännischen Dienst.
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| Hildebrand, Hans H. || colspan="3" | Die organisatorische Entwicklung der Marine nebst Stellenbesetzung 1848 bis 1945. (Übersicht der Ausbildungsstätten für das nautische Personal).
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| Mulligan, Timothy P. || colspan="3" | Die Männer der deutschen U-Boot-Waffe 1939–1945. (Analyse der fachlichen Spezialisierung und der Beförderungswege der Steuermänner).
 
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Aktuelle Version vom 11. Februar 2026, 11:11 Uhr

Datenblatt Steuermannsschüler
Ein Steuermannsschüler war ein Unteroffizieranwärter der Steuermannslaufbahn, der sich in der fachspezifischen Ausbildung zum Navigator und Brückenspezialisten befand. Er stand am Anfang einer Laufbahn, die bei entsprechender Eignung bis zum Obersteuermann (dem „Navigations-Offizier“ auf U-Booten) führen konnte. Der Steuermannsschüler absolvierte eine der anspruchsvollsten fachlichen Ausbildungen innerhalb der Mannschafts- und Unteroffiziergrade. Sein Ziel war die Beherrschung der terrestrischen und astronomischen Navigation sowie die sichere Führung eines Schiffes oder Bootes im Brückendienst.
Historischer Kontext & Organisation
Ausbildungsweg und Lehrinhalte: Die Ausbildung zum Steuermannsschüler erfolgte zumeist an einer der Steuermannsschulen der Kriegsmarine (z. B. in Gotenhafen). Voraussetzung war eine überdurchschnittliche Begabung in Mathematik und ein ausgeprägtes technisches Verständnis. Die Lehrinhalte umfassten die Seekartenlehre, Kompasskunde, Gezeitenberechnungen sowie die Handhabung von Sextanten und anderen nautischen Instrumenten. Zudem wurde er intensiv in der Schifffahrtsrecht-Kunde und den Ausweichregeln (Kollisionsverhütungsregeln) unterwiesen.
Dienstgrad und Beförderung: Der Status als Steuermannsschüler war eine Zwischenstufe während der Fachausbildung. Nach erfolgreichem Abschluss der Lehrgänge und der praktischen Bordzeit erfolgte die Beförderung zum Maat (Steuermannsmaat) und später zum Feldwebel (Steuermann). Er war der direkte Assistent des Wachoffiziers auf der Brücke.
Das Schicksal bei Kriegsende: In der Endphase des Krieges am 08.05.1945 wurden viele Steuermannsschüler vorzeitig aus den Schulen entlassen, um den massiven Personalbedarf auf den verbliebenen Einheiten oder bei den Evakuierungsoperationen in der Ostsee zu decken. Nach der Kapitulation waren sie aufgrund ihrer nautischen Fachkenntnisse besonders wertvoll für den Deutschen Minenräumdienst, da die exakte Positionsbestimmung in den Minenfeldern eine Grundvoraussetzung für die Räumarbeiten war.
Relevanz für die U-Boot-Waffe
Nachwuchs für die Navigation: Die U-Boot-Waffe hatte einen permanenten Bedarf an qualifizierten Navigatoren. Steuermannsschüler wurden nach ihrer Grundausbildung oft direkt zur spezialisierten U-Boot-Ausbildung an die Unterseeboot-Lehrdivisionen kommandiert, um sie auf die besonderen Bedingungen der Navigation unter Wasser und bei Nachtangriffen vorzubereiten.
Verantwortung in der Zentrale: Auf einem U-Boot war der Steuermann (ehemals Steuermannsschüler) für die Führung des Koppelorts und der Seekarte in der Zentrale verantwortlich. Seine Präzision entschied darüber, ob das Boot nach wochenlanger Feindfahrt den Heimathafen oder einen Versorgungstanker punktgenau fand.
Vorbereitung auf die Wachführung: Ein erfahrener Steuermann übernahm auf U-Booten oft Aufgaben, die über die reine Navigation hinausgingen, wie etwa die Unterstützung des Kommandanten beim Torpedoschießverfahren. Die Basis hierfür wurde bereits während der Zeit als Steuermannsschüler durch das Erlernen von Winkelfunktionen und Zielberechnungen gelegt.
Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) | Invenio Online-Recherche
B.Arch. RM 20 / 912 Richtlinien für die Ausbildung der Unteroffiziere der Steuermannslaufbahn (Enthält detaillierte Lehrgangspläne der Steuermannsschulen).
B.Arch. RM 123 Akten der Marineschulen (Dokumentiert die Prüfungsordnungen und die personelle Erfassung der Steuermannsschüler).
B.Arch. RM 20 / 893 Unterlagen des Befehlshabers der Unterseeboote (B.d.U.) zur personellen Ergänzung (Belegt die Zuweisung von Navigations-Fachpersonal zur U-Boot-Waffe).
Literaturverweise
Lohmann, Walter / Hildebrand, Hans H. Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945: Gliederung, Einsatz, Stellenbesetzung. (Band II, Kapitel über die Fachlaufbahnen und das Personalwesen).
Hildebrand, Hans H. Die organisatorische Entwicklung der Marine nebst Stellenbesetzung 1848 bis 1945. (Übersicht der Ausbildungsstätten für das nautische Personal).
Mulligan, Timothy P. Die Männer der deutschen U-Boot-Waffe 1939–1945. (Analyse der fachlichen Spezialisierung und der Beförderungswege der Steuermänner).
Alle Angaben ohne Gewähr !!!!
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