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Kommandanten-Schießlehrgang: Unterschied zwischen den Versionen

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| colspan="3" |Der Kommandanten-Schießlehrgang erfolgte als Höhepunkt und Abschluss eines [[Kommandanten-Lehrgang|Kommandanten-Lehrgangs]] und war ein mehrere Tage andauernder Torpedoschießabschnitt, der Angriffsübungen von frühmorgens bis in den Nachmittag mit der zugehörigen Torpedoübernahme umfasste, einem anschließendem Nachtschießen bis weit nach Mitternacht und einer erneuten Torpedoübernahme für den folgenden Tag. Hier wurden von jedem angehenden Kommandanten 35 bis 50 Torpedos in 20 bis 30 verschiedenen Angriffsübungen unter Simulation unterschiedlichster Bedingungen losgemacht. Im Anschluss übernahm der Absolvent ein Frontboot oder, was wahrscheinlicher war, das Kommando über ein neues U-Boot, das auf einer Werft gerade im Entstehen war.  
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| colspan="3" | Der Kommandanten-Schießlehrgang war das Herzstück der praktischen Ausbildung für angehende Unterseeboot-Kommandanten und stellte die finale Hürde vor der Übernahme eines eigenen Bootes dar. Während im allgemeinen Kommandanten-Lehrgang auch Theorie und Verwaltung gelehrt wurden, konzentrierte sich dieser Lehrgang rein auf das handwerkliche Geschick beim Torpedorangriff.
 
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| colspan="3" | Das Hauptziel war die Perfektionierung des Angriffs unter realistischen Bedingungen. Die Offiziere der Crew 1937 und Crew 1938 sollten lernen, das Boot als Waffe zu begreifen. Die Ausbildung fand primär bei der [[24. U-Flottille]] in Memel statt, die als reine Schießflottille fungierte. Dort standen erfahrene Frontoffiziere als Ausbilder zur Verfügung, die jeden Angriff vom Turm oder aus der Zentrale heraus genau beobachteten und im Anschluss kritisch analysierten.
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! colspan="3" | Praktische Aufgaben auf See
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| colspan="3" | Jeder Teilnehmer musste eine festgelegte Anzahl von Angriffen absolvieren. Dabei wurden Übungstorpedos verwendet, die auf eine bestimmte Tiefe eingestellt waren und nach dem Lauf an der Oberfläche trieben. Die Aufgaben umfassten:
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| colspan="3" | Der Periskopangriff: Der Offizier durfte das Sehrohr nur für wenige Sekunden ausfahren, um die Position des Zieles zu bestimmen, damit er nicht entdeckt wurde.
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| colspan="3" | Die Berechnung des Vorhaltewinkels: Dies musste im Kopf oder mit einfachen Hilfsmitteln geschehen, falls der Torpedorechner ausfiel.
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| colspan="3" | Angriffe gegen gesicherte Ziele: Das Zielschiff wurde oft von Zerstörern oder schnellen Booten geschützt, die aktiv Jagd auf das Schulboot machten. Der Offizier musste lernen, trotz der drohenden Gefahr durch Wasserbomben ruhig zu zielen.
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! colspan="3" | Taktik am Angriffssimulator
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| colspan="3" | Bevor es auf See ging, verbrachten die Offiziere viele Stunden am sogenannten Stand-Angriffsapparat an Land. Dies war ein optisches Gerät, das die Sicht durch ein Sehrohr simulierte. Hier wurden hunderte von Anläufen geübt, bis die Einschätzung von gegnerischem Kurs und Geschwindigkeit zur Routine wurde. Besonders wichtig war das Training des Fächerschusses, bei dem die Torpedos in einem exakt berechneten Winkel zueinander abgefeuert wurden, um eine größere Trefferfläche abzudecken.
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! colspan="3" | Bewertung und Konsequenzen
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| colspan="3" | Nach Abschluss der Schießserie wurde ein detailliertes Protokoll erstellt. Wer die erforderliche Trefferquote nicht erreichte oder in kritischen Situationen zu zögerlich agierte, galt als nicht kommandantenfähig. Diese Offiziere wurden oft als Erster Wachoffizier zurück an die Front geschickt, um weitere Erfahrung zu sammeln, oder in Stabsfunktionen versetzt. Für die Männer der Crew 1938 war dieser Lehrgang aufgrund des hohen Bedarfs an neuen Kommandanten ab dem Jahr 1941 oft zeitlich gestrafft, aber in den Anforderungen nicht weniger streng.
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| colspan="3" | Der Kommandanten-Schießlehrgang (häufig als U-Boot-Kommandanten-Lehrgang oder kurz U-K-L bezeichnet) folgte einem exakt getakteten Stundenplan, der die Teilnehmer über mehrere Wochen hinweg physisch und mental beanspruchte.
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! colspan="3" | Phase 1: Die Vorbereitung am Stand-Angriffsapparat
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| colspan="3" | Bevor ein Offizier der Crew 1937 oder Crew 1938 ein echtes Boot führen durfte, verbrachte er die erste Woche fast ausschließlich im Lehrsaal und am Simulator.
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| colspan="3" | Der Tag begann meist um 08:00 Uhr mit theoretischem Unterricht in Torpedokunde und Taktik. Danach folgten Stunden am Stand-Angriffsapparat. Dies war ein verdunkelter Raum, in dem ein Sehrohr montiert war. Auf einer Leinwand oder Schiene wurden Schiffsmodelle bewegt. Der Offizier musste unter Zeitdruck den Lagewinkel und die Entfernung schätzen und diese Daten seinem Rechenempfänger (einem anderen Lehrgangsteilnehmer) zurufen. Hier wurde die Zusammenarbeit zwischen Kommandant und Zentrale im Trockentraining perfektioniert.
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| colspan="3" | In der zweiten und dritten Woche verlegte der Lehrgang auf das Wasser, meist im Seegebiet vor Memel oder Gotenhafen.
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| colspan="3" | Ein typischer Schießtag dauerte von Sonnenaufgang bis in die späten Abendstunden. Das Schulboot lief mit mehreren Lehrgangsteilnehmern aus. Nacheinander übernahm jeder Offizier die Rolle des Kommandanten für eine Serie von Angriffen.
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| colspan="3" | Es mussten mindestens 10 bis 15 scharfe Schüsse mit Übungstorpedos auf ein Zielschiff abgegeben werden. Dabei wurde das Schwierigkeitslevel stetig gesteigert: Zuerst griff man ein einzelnes, geradeaus fahrendes Schiff an, später einen durch Zerstörer gesicherten Verband, der ständig Zick-Zack-Kurse fuhr. Ein Lehrer (ein erfahrener Frontkommandant) stand direkt hinter dem Schüler und stoppte die Zeit, die das Sehrohr über Wasser verblieb. Jede Sekunde zu viel wurde als schwerer Fehler gewertet.
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! colspan="3" | Phase 3: Die Nachtangriffe und das Sonderschießen
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| colspan="3" | In der letzten Phase wurde der Schwerpunkt auf den Überwasserangriff bei Nacht gelegt. Dies war die bevorzugte Taktik der deutschen Unterseeboot-Waffe.
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| colspan="3" | Die Offiziere mussten lernen, die Silhouette eines Schattens am Horizont korrekt zu deuten und den Angriff nur mit dem Deckszielgerät auf der Brücke zu führen. Zudem wurde das Schießen bei schlechtem Wetter und schwerer See geübt. In dieser Phase wurde auch das Verhalten nach dem Schuss trainiert, also das sofortige Einleiten von Ausweichmanövern, um der Verfolgung durch die Sicherungsschiffe zu entgehen.
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! colspan="3" | Die tägliche Manöverkritik
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| colspan="3" | Jeder Abend endete mit einer gemeinsamen Auswertung aller Angriffe. Die Laufbahnen der Torpedos wurden ausgewertet und mit den Schussdaten des Offiziers verglichen. Diese Besprechungen waren berüchtigt für ihre schonungslose Offenheit. Wer wiederholt Berechnungsfehler machte oder taktisch unklug handelte, erhielt bereits während des Lehrgangs die Warnung, dass seine Eignung in Frage steht.
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! colspan="3" | Der Ablauf des General-Schießens
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| colspan="3" | Abschlussprüfung des [[Kommandanten-Lehrgang]] war das sogenannte '''General-Schießen'''. Es bildete den unerbittlichen Höhepunkt der Ausbildung, bei dem der Offizieranwärter der Crew 1937 oder Crew 1938 beweisen musste, dass er ein Unterseeboot auch unter extremem taktischem Druck erfolgreich führen konnte.
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| colspan="3" | Im Gegensatz zu den vorangegangenen Übungstagen wurde beim General-Schießen ein komplettes Gefechtsszenario simuliert. Der Prüfling erhielt meist nur eine vage Position eines gegnerischen Verbandes in der Ostsee und musste diesen eigenständig suchen, finden und angreifen.
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| colspan="3" | Das Szenario umfasste in der Regel einen stark gesicherten Verband, bestehend aus einem Zielschiff und mehreren eskortierenden schnellen Booten oder Zerstörern. Der Offizier musste den Angriff so führen, dass er unentdeckt in eine günstige Schussposition gelangte. Das General-Schießen dauerte oft über 24 Stunden, um auch die physische Erschöpfung des Kommandanten in die Prüfung einzubeziehen.
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! colspan="3" | Die Kriterien der Bewertung
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| colspan="3" | Erstens die Angriffstaktik: Wurde das Sehrohr zu oft oder zu lange gezeigt? Wurde der richtige Torpedotyp gewählt? Wurde die Distanz zum Ziel korrekt eingeschätzt?
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| colspan="3" | Zweitens die Entschlusskraft: Agierte der Offizier in kritischen Momenten zögerlich oder bewies er den notwendigen „Jagdinstinkt“? Besonders das Verhalten bei simulierten Gegenangriffen der Sicherungsboote stand hier im Fokus.
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| colspan="3" | Drittens die Präzision der Befehlsgebung: Wie klar und ruhig wurden die Kommandos an die Zentrale und den Torpedorechenempfänger gegeben? Ein nervöser Kommandant wurde als Sicherheitsrisiko für die gesamte Besatzung eingestuft.
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! colspan="3" | Das Ergebnis und die Konsequenzen
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| colspan="3" | Nach dem Einlaufen in den Hafen von Memel oder Gotenhafen erfolgte die unmittelbare Auswertung. Das Urteil lautete entweder Kommandantenfähig oder Nicht geeignet.
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| colspan="3" | Wer bestand, erhielt die offizielle Berechtigung zur Führung eines Unterseebootes und wurde meist zur Baubelehrung auf eine Werft geschickt, um dort sein neues Boot zu übernehmen. Wer durchfiel, wurde oft als „Ewiger Erster Wachoffizier“ zurück an die Front geschickt oder verlor jegliche Chance auf ein eigenes Kommando und wurde in Stabsfunktionen an Land versetzt.
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| Marine-Dienstvorschrift Nummer 416/3 || colspan="3" | Diese Vorschrift enthält im Anhang die Übungskataloge, die ein Kommandant während des Lehrgangs abzuarbeiten hatte.
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| Bundesarchiv-Militärarchiv Bestand RM 20 || colspan="3" | Hier sind die monatlichen Berichte der 24. Unterseeboot-Flottille hinterlegt, die den Ablauf der Schießwochen für die verschiedenen Crews dokumentieren.
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Aktuelle Version vom 29. Januar 2026, 16:53 Uhr

Datenblatt: Kommandanten-Schießlehrgang
Der Kommandanten-Schießlehrgang war das Herzstück der praktischen Ausbildung für angehende Unterseeboot-Kommandanten und stellte die finale Hürde vor der Übernahme eines eigenen Bootes dar. Während im allgemeinen Kommandanten-Lehrgang auch Theorie und Verwaltung gelehrt wurden, konzentrierte sich dieser Lehrgang rein auf das handwerkliche Geschick beim Torpedorangriff.
Ziele und Durchführung des Lehrgangs
Das Hauptziel war die Perfektionierung des Angriffs unter realistischen Bedingungen. Die Offiziere der Crew 1937 und Crew 1938 sollten lernen, das Boot als Waffe zu begreifen. Die Ausbildung fand primär bei der 24. U-Flottille in Memel statt, die als reine Schießflottille fungierte. Dort standen erfahrene Frontoffiziere als Ausbilder zur Verfügung, die jeden Angriff vom Turm oder aus der Zentrale heraus genau beobachteten und im Anschluss kritisch analysierten.
Praktische Aufgaben auf See
Jeder Teilnehmer musste eine festgelegte Anzahl von Angriffen absolvieren. Dabei wurden Übungstorpedos verwendet, die auf eine bestimmte Tiefe eingestellt waren und nach dem Lauf an der Oberfläche trieben. Die Aufgaben umfassten:
Der Periskopangriff: Der Offizier durfte das Sehrohr nur für wenige Sekunden ausfahren, um die Position des Zieles zu bestimmen, damit er nicht entdeckt wurde.
Die Berechnung des Vorhaltewinkels: Dies musste im Kopf oder mit einfachen Hilfsmitteln geschehen, falls der Torpedorechner ausfiel.
Angriffe gegen gesicherte Ziele: Das Zielschiff wurde oft von Zerstörern oder schnellen Booten geschützt, die aktiv Jagd auf das Schulboot machten. Der Offizier musste lernen, trotz der drohenden Gefahr durch Wasserbomben ruhig zu zielen.
Taktik am Angriffssimulator
Bevor es auf See ging, verbrachten die Offiziere viele Stunden am sogenannten Stand-Angriffsapparat an Land. Dies war ein optisches Gerät, das die Sicht durch ein Sehrohr simulierte. Hier wurden hunderte von Anläufen geübt, bis die Einschätzung von gegnerischem Kurs und Geschwindigkeit zur Routine wurde. Besonders wichtig war das Training des Fächerschusses, bei dem die Torpedos in einem exakt berechneten Winkel zueinander abgefeuert wurden, um eine größere Trefferfläche abzudecken.
Bewertung und Konsequenzen
Nach Abschluss der Schießserie wurde ein detailliertes Protokoll erstellt. Wer die erforderliche Trefferquote nicht erreichte oder in kritischen Situationen zu zögerlich agierte, galt als nicht kommandantenfähig. Diese Offiziere wurden oft als Erster Wachoffizier zurück an die Front geschickt, um weitere Erfahrung zu sammeln, oder in Stabsfunktionen versetzt. Für die Männer der Crew 1938 war dieser Lehrgang aufgrund des hohen Bedarfs an neuen Kommandanten ab dem Jahr 1941 oft zeitlich gestrafft, aber in den Anforderungen nicht weniger streng.
Der Kommandanten-Schießlehrgang (häufig als U-Boot-Kommandanten-Lehrgang oder kurz U-K-L bezeichnet) folgte einem exakt getakteten Stundenplan, der die Teilnehmer über mehrere Wochen hinweg physisch und mental beanspruchte.
Phase 1: Die Vorbereitung am Stand-Angriffsapparat
Bevor ein Offizier der Crew 1937 oder Crew 1938 ein echtes Boot führen durfte, verbrachte er die erste Woche fast ausschließlich im Lehrsaal und am Simulator.
Der Tag begann meist um 08:00 Uhr mit theoretischem Unterricht in Torpedokunde und Taktik. Danach folgten Stunden am Stand-Angriffsapparat. Dies war ein verdunkelter Raum, in dem ein Sehrohr montiert war. Auf einer Leinwand oder Schiene wurden Schiffsmodelle bewegt. Der Offizier musste unter Zeitdruck den Lagewinkel und die Entfernung schätzen und diese Daten seinem Rechenempfänger (einem anderen Lehrgangsteilnehmer) zurufen. Hier wurde die Zusammenarbeit zwischen Kommandant und Zentrale im Trockentraining perfektioniert.
Phase 2: Die praktischen Schießtage auf See
In der zweiten und dritten Woche verlegte der Lehrgang auf das Wasser, meist im Seegebiet vor Memel oder Gotenhafen.
Ein typischer Schießtag dauerte von Sonnenaufgang bis in die späten Abendstunden. Das Schulboot lief mit mehreren Lehrgangsteilnehmern aus. Nacheinander übernahm jeder Offizier die Rolle des Kommandanten für eine Serie von Angriffen.
Es mussten mindestens 10 bis 15 scharfe Schüsse mit Übungstorpedos auf ein Zielschiff abgegeben werden. Dabei wurde das Schwierigkeitslevel stetig gesteigert: Zuerst griff man ein einzelnes, geradeaus fahrendes Schiff an, später einen durch Zerstörer gesicherten Verband, der ständig Zick-Zack-Kurse fuhr. Ein Lehrer (ein erfahrener Frontkommandant) stand direkt hinter dem Schüler und stoppte die Zeit, die das Sehrohr über Wasser verblieb. Jede Sekunde zu viel wurde als schwerer Fehler gewertet.
Phase 3: Die Nachtangriffe und das Sonderschießen
In der letzten Phase wurde der Schwerpunkt auf den Überwasserangriff bei Nacht gelegt. Dies war die bevorzugte Taktik der deutschen Unterseeboot-Waffe.
Die Offiziere mussten lernen, die Silhouette eines Schattens am Horizont korrekt zu deuten und den Angriff nur mit dem Deckszielgerät auf der Brücke zu führen. Zudem wurde das Schießen bei schlechtem Wetter und schwerer See geübt. In dieser Phase wurde auch das Verhalten nach dem Schuss trainiert, also das sofortige Einleiten von Ausweichmanövern, um der Verfolgung durch die Sicherungsschiffe zu entgehen.
Die tägliche Manöverkritik
Jeder Abend endete mit einer gemeinsamen Auswertung aller Angriffe. Die Laufbahnen der Torpedos wurden ausgewertet und mit den Schussdaten des Offiziers verglichen. Diese Besprechungen waren berüchtigt für ihre schonungslose Offenheit. Wer wiederholt Berechnungsfehler machte oder taktisch unklug handelte, erhielt bereits während des Lehrgangs die Warnung, dass seine Eignung in Frage steht.
Der Ablauf des General-Schießens
Abschlussprüfung des Kommandanten-Lehrgang war das sogenannte General-Schießen. Es bildete den unerbittlichen Höhepunkt der Ausbildung, bei dem der Offizieranwärter der Crew 1937 oder Crew 1938 beweisen musste, dass er ein Unterseeboot auch unter extremem taktischem Druck erfolgreich führen konnte.
Im Gegensatz zu den vorangegangenen Übungstagen wurde beim General-Schießen ein komplettes Gefechtsszenario simuliert. Der Prüfling erhielt meist nur eine vage Position eines gegnerischen Verbandes in der Ostsee und musste diesen eigenständig suchen, finden und angreifen.
Das Szenario umfasste in der Regel einen stark gesicherten Verband, bestehend aus einem Zielschiff und mehreren eskortierenden schnellen Booten oder Zerstörern. Der Offizier musste den Angriff so führen, dass er unentdeckt in eine günstige Schussposition gelangte. Das General-Schießen dauerte oft über 24 Stunden, um auch die physische Erschöpfung des Kommandanten in die Prüfung einzubeziehen.
Die Kriterien der Bewertung
Die Prüfer, meist der Flottillenchef der 24. U-Flottille oder hochdekorierte Frontkommandanten, bewerteten nicht nur die Trefferquote. Die Entscheidung über die Kommandantenfähigkeit basierte auf drei Säulen:
Erstens die Angriffstaktik: Wurde das Sehrohr zu oft oder zu lange gezeigt? Wurde der richtige Torpedotyp gewählt? Wurde die Distanz zum Ziel korrekt eingeschätzt?
Zweitens die Entschlusskraft: Agierte der Offizier in kritischen Momenten zögerlich oder bewies er den notwendigen „Jagdinstinkt“? Besonders das Verhalten bei simulierten Gegenangriffen der Sicherungsboote stand hier im Fokus.
Drittens die Präzision der Befehlsgebung: Wie klar und ruhig wurden die Kommandos an die Zentrale und den Torpedorechenempfänger gegeben? Ein nervöser Kommandant wurde als Sicherheitsrisiko für die gesamte Besatzung eingestuft.
Das Ergebnis und die Konsequenzen
Nach dem Einlaufen in den Hafen von Memel oder Gotenhafen erfolgte die unmittelbare Auswertung. Das Urteil lautete entweder Kommandantenfähig oder Nicht geeignet.
Wer bestand, erhielt die offizielle Berechtigung zur Führung eines Unterseebootes und wurde meist zur Baubelehrung auf eine Werft geschickt, um dort sein neues Boot zu übernehmen. Wer durchfiel, wurde oft als „Ewiger Erster Wachoffizier“ zurück an die Front geschickt oder verlor jegliche Chance auf ein eigenes Kommando und wurde in Stabsfunktionen an Land versetzt.
Literaturverweise
Marine-Dienstvorschrift Nummer 416/3 Diese Vorschrift enthält im Anhang die Übungskataloge, die ein Kommandant während des Lehrgangs abzuarbeiten hatte.
Bundesarchiv-Militärarchiv Bestand RM 20 Hier sind die monatlichen Berichte der 24. Unterseeboot-Flottille hinterlegt, die den Ablauf der Schießwochen für die verschiedenen Crews dokumentieren.
Alle Angaben ohne Gewähr !!!!
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