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1. Marine-Nachrichtenabteilung: Unterschied zwischen den Versionen

Aus U-Boot-Archiv Wiki

 
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| colspan="3" | Die 1. Marine-Nachrichtenabteilung war ein spezialisierter technischer Verband der Kriegsmarine. Ihre Hauptaufgabe lag in der Aufrechterhaltung des Nachrichten- und Fernmeldewesens im Ostseeraum sowie in der Ausbildung von Fachpersonal für die Marine-Nachrichtenlaufbahn. Sie bildete das logistische Rückgrat für den militärischen Funk-, Fernsprech- und Signalverkehr im westlichen und mittleren Ostseeraum.
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| colspan="2" | Die 1. Marine-Nachrichtenabteilung war die zentrale Nachrichteneinheit der Marinestation der Ostsee mit Sitz in Kiel. Ihre Wurzeln liegen in den frühen Nachrichteneinheiten der Reichsmarine, die nach 1919 den Aufbau eines neuen Funk- und Fernmeldewesens unter den Beschränkungen des Versailler Vertrages koordinierten. Die Abteilung betrieb die Hauptfunkstelle Kiel sowie zahlreiche Signal- und Semaphorstationen entlang der Ostseeküste. Sie war verantwortlich für die Ausbildung des Nachrichtenpersonals und die Sicherstellung der Kommunikation zwischen dem Flottenkommando und den im Ostseeraum operierenden Einheiten. Mit der Aufrüstung zur Kriegsmarine wurde sie massiv erweitert und bildete den Kader für zahlreiche mobile Nachrichtenkompanien.
 
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! colspan="3" | Historischer Kontext & Organisation
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! colspan="3" | Entstehung, Funktion und Aufgaben
 
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| Aufstellung: || colspan="3" | 26.08.1939 in Swinemünde (im Zuge der Mobilmachung).
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| Aufstellung: || colspan="3" | Frühe 1920er Jahre (Reichsmarine); Hauptquartier in Kiel (Marinestation der Ostsee).
 
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| Standorte: || colspan="3" | Hauptstandort Swinemünde (wichtiger Flottenstützpunkt und Knotenpunkt für Seekabelverbindungen). Teile verlegten im April 1945 nach Westen.
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| Aufgabe: || colspan="3" | Betrieb der Küstenfunkstellen; Signalwesen; Ausbildung von Funkern und Signalgasten; Wartung der Fernsprech- und Telegrafennetze.
 
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| Aufgaben: || colspan="3" | Sicherstellung des militärischen Nachrichtenverkehrs (Landfunkstellen, Signalstellen, Fernsprechvermittlungen), Betrieb von Horchstellen zur Überwachung der Ostseezugänge sowie Durchführung von Fachlehrgängen für Funker und Signalgasten.
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| Unterstellung: || colspan="3" | Nachrichtenführer der Marinestation der Ostsee.
 
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| Kriegsende: || colspan="3" | Koordination der Evakuierungstransporte aus dem Osten 1945. Nach dem schweren Luftangriff auf Swinemünde (12.03.1945) Fortführung der Arbeit in Behelfsunterkünften bis zur Auflösung im Mai 1945.
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| Ende 1945: || colspan="3" | Auflösung im Mai 1945 nach der britischen Besetzung Kiels; Übernahme der Sendeanlagen durch die Alliierten.
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! colspan="3" | Spezifische Merkmale (Reichsmarine-Ära)
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| Funkstellen: || colspan="3" | Die 1. M.N.A. betrieb die strategisch wichtige Funkstelle in Kiel-Friedrichsort, die den Kontakt zu den Auslandskreuzern hielt.
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| Ausbildung: || colspan="3" | Durchführung der ersten Fachlehrgänge für das neue Funkpersonal der Reichsmarine unter Einbeziehung moderner Röhrentechnik.
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| Kooperation: || colspan="3" | Enge Zusammenarbeit mit der Nachrichtenversuchsanstalt (NVA) zur Erprobung neuer Verschlüsselungsverfahren und Funkgeräte.
 
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| Ausbildungsinfrastruktur: || colspan="3" | Bereitstellung der nachrichtentechnischen Infrastruktur für die in der Ostsee operierenden Unterseeboot-Lehrdivisionen (U.L.D.) in der Pommerschen Bucht.
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| Funkleitung: || colspan="3" | Sicherstellung der Nachrichtenübermittlung für die ersten geheimen U-Boot-Versuche und später für die U-Lehrdivisionen in der Ostsee.
 
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| Sicherung & Überwachung: || colspan="3" | Lieferung wichtiger Daten über feindliche Funkaktivitäten durch Horch- und Peilstellen zum Schutz der U-Boot-Übungsfahrten vor sowjetischen Kräften.
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| Personalpool: || colspan="3" | Zahlreiche Funkmeister und Funkmaate der U-Boot-Waffe erhielten ihre fachliche Prägung in der 1. M.N.A. in Kiel.
 
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| Baubelehrung: || colspan="3" | Fachliche Unterstützung bei der Überprüfung der Funk- und Signalanlagen an Bord von Neubauten in den östlichen Werften vor deren Frontabgabe.
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| Stützpunktfunk: || colspan="3" | Aufbau der funktechnischen Infrastruktur für die U-Boot-Stützpunkte in Kiel und Pillau.
 
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| BArch RM 123 / 44 || colspan="3" | Akten der Marinenachrichtenschulen und Nachrichtenabteilungen (Lehrgangsgestaltung und personelle Struktur).
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| BArch RM 112 || colspan="3" | Marinestation der Ostsee: Akten über die Organisation und das Fernmeldewesen der 1. Nachrichtenabteilung.
 
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| BArch RM 42 || colspan="3" | Unterlagen des Kommandanten im Abschnitt Swinemünde (Organisatorische Einbindung in die Verteidigung des Stützpunktes).
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| BArch RM 121 || colspan="3" | Marinenachrichtentruppen: Unterlagen zur Ausbildungsmethodik und Struktur der M.N.A. in der Reichsmarinezeit.
 
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| BArch RM 7 / 2331 || colspan="3" | Unterlagen der Seekriegsleitung zum Nachrichtenwesen (Bedeutung der pommerschen Funkstellen für die operative Führung).
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| BArch PERS 6 || colspan="3" | Personalakten: Werdegänge mit Dienstzeitnachweisen in der „1. Marine-Nachrichtenabteilung Kiel“.
 
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| Lohmann / Hildebrand || colspan="3" | "Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945" (Band II, Kapitel über das Nachrichtenwesen der Kriegsmarine).
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| Giessler, Helmuth || colspan="3" | „Der Marine-Nachrichten- und Ortungsdienst: Technische Entwicklung und operativer Einsatz“.
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| Lohmann / Hildebrand || colspan="3" | „Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945“ (Band II, Kapitel: Das Nachrichtenwesen der Marine).
 
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| Hildebrand, Hans H. || colspan="3" | "Die organisatorische Entwicklung der Marine nebst Stellenbesetzung 1848 bis 1945" (Übersicht der Standorte und Kommandeure).
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| Wegner, Günter || colspan="3" | „Stellenbesetzung der deutschen Marine 1848–1945“ (Systematik der Nachrichteneinheiten).
 
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| Giessler, Helmuth || colspan="3" | "Der Marine-Nachrichten- und Ortungsdienst" (Technische Infrastruktur und Ausbildungsgänge des Nachrichtenpersonals).
 
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Aktuelle Version vom 10. März 2026, 11:17 Uhr

Verband 1. Marine-Nachrichtenabteilung
Die 1. Marine-Nachrichtenabteilung war die zentrale Nachrichteneinheit der Marinestation der Ostsee mit Sitz in Kiel. Ihre Wurzeln liegen in den frühen Nachrichteneinheiten der Reichsmarine, die nach 1919 den Aufbau eines neuen Funk- und Fernmeldewesens unter den Beschränkungen des Versailler Vertrages koordinierten. Die Abteilung betrieb die Hauptfunkstelle Kiel sowie zahlreiche Signal- und Semaphorstationen entlang der Ostseeküste. Sie war verantwortlich für die Ausbildung des Nachrichtenpersonals und die Sicherstellung der Kommunikation zwischen dem Flottenkommando und den im Ostseeraum operierenden Einheiten. Mit der Aufrüstung zur Kriegsmarine wurde sie massiv erweitert und bildete den Kader für zahlreiche mobile Nachrichtenkompanien.
Entstehung, Funktion und Aufgaben
Aufstellung: Frühe 1920er Jahre (Reichsmarine); Hauptquartier in Kiel (Marinestation der Ostsee).
Aufgabe: Betrieb der Küstenfunkstellen; Signalwesen; Ausbildung von Funkern und Signalgasten; Wartung der Fernsprech- und Telegrafennetze.
Unterstellung: Nachrichtenführer der Marinestation der Ostsee.
Ende 1945: Auflösung im Mai 1945 nach der britischen Besetzung Kiels; Übernahme der Sendeanlagen durch die Alliierten.
Spezifische Merkmale (Reichsmarine-Ära)
Funkstellen: Die 1. M.N.A. betrieb die strategisch wichtige Funkstelle in Kiel-Friedrichsort, die den Kontakt zu den Auslandskreuzern hielt.
Ausbildung: Durchführung der ersten Fachlehrgänge für das neue Funkpersonal der Reichsmarine unter Einbeziehung moderner Röhrentechnik.
Kooperation: Enge Zusammenarbeit mit der Nachrichtenversuchsanstalt (NVA) zur Erprobung neuer Verschlüsselungsverfahren und Funkgeräte.
Relevanz für die U-Boot-Waffe
Funkleitung: Sicherstellung der Nachrichtenübermittlung für die ersten geheimen U-Boot-Versuche und später für die U-Lehrdivisionen in der Ostsee.
Personalpool: Zahlreiche Funkmeister und Funkmaate der U-Boot-Waffe erhielten ihre fachliche Prägung in der 1. M.N.A. in Kiel.
Stützpunktfunk: Aufbau der funktechnischen Infrastruktur für die U-Boot-Stützpunkte in Kiel und Pillau.
Quellenverweise - | Invenio Online-Recherche
BArch RM 112 Marinestation der Ostsee: Akten über die Organisation und das Fernmeldewesen der 1. Nachrichtenabteilung.
BArch RM 121 Marinenachrichtentruppen: Unterlagen zur Ausbildungsmethodik und Struktur der M.N.A. in der Reichsmarinezeit.
BArch PERS 6 Personalakten: Werdegänge mit Dienstzeitnachweisen in der „1. Marine-Nachrichtenabteilung Kiel“.
Literaturverweise
Giessler, Helmuth „Der Marine-Nachrichten- und Ortungsdienst: Technische Entwicklung und operativer Einsatz“.
Lohmann / Hildebrand „Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945“ (Band II, Kapitel: Das Nachrichtenwesen der Marine).
Wegner, Günter „Stellenbesetzung der deutschen Marine 1848–1945“ (Systematik der Nachrichteneinheiten).
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